Veröffentlicht auf V.I.S.I.T.E. (http://www.visite-hospiz.de)
Entstehungsgeschichte
Erstellt 06.11.2009 - 15:58

Entwicklungsgeschichte: Von der weltlichen Sterbebegleitung des Freidenkerverbandes zu V.I.S.I.T.E. Ambulantes Hospiz & Palliativberatung des HVD Berlin e. V.

1989

Der „Deutsche Freidenkerverband" mit Sitz in Berlin-Neukölln entwickelt mit einem ABM-Projekt, unter Leitung von Gita Neumann, eine der ersten Hospizinitiativen in Berlin mit sechs freiwilligen Mitarbeitern. Die ersten Freiwilligen werden von drei hauptamtlichen ABM-Mitarbeitern vorbereitet und betreut. Begleitungen werden ausschließlich bei akut sterbenden Menschen durchgeführt, die vom Krankenhaus Neukölln zum Sterben nach Hause entlassen werden. Der Deutsche Freidenkerverband gibt ein Informationsblatt mit dem Titel „Der Begleiter" heraus. Darüber hinaus begleiten die Mitarbeiter der Hospizinitiative Trauergruppen und leiten sie an.

1993

Nach der Wiedervereinigung Berlins wird die ehrenamtliche Sterbebegleitung weiterentwickelt und mit dem neuen Namen „Perimortaler Dienst des HVD" versehen. Begleitungen werden an mehreren Stützpunkten koordiniert, so z. Bsp. in Neukölln, Prenzlauerberg, Pankow und Berlin Mitte.

1994

Befähigungskurse für ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen werden neu bearbeitet und mit medizinethischer Beratung bei der Erstellung individueller Patientenverfügung [1]en ergänzt.

1996

Auf Grund wachsender Nachfrage wird der allgemeine Besuchsdienst und die Trauergruppentätigkeit weiterentwickelt. Eine neue Projektbezeichnung wird eingeführt: „V.I.S.I.T.E. Besuchsdienst des HVD Berlin e. V." Die Buchstaben stehen für Vorbereitung, Initiative, Sterbebegleitung, Information, Trauerhilfe, Ermutigung.
Das Schulungskonzept wird entsprechend den neuen Orientierungen der Initiatoren der Palliativmedizin in Deutschland weiterentwickelt. Grundlage sind die Ausführungen von Monika Müller (ALPHA Rheinland) im Buch „Palliativmedizin".

1999

Das ABM Projekt Sterbebegleitung wird zum „V.I.S.I.T.E. Besuchs- und Hospizdienst" mit 30 Freiwilligen weiterentwickelt und ausgebaut. Eine Arbeitsgruppe beim Senat von Berlin stellt mit zehn Hospizinitiativen Qualitätskriterien und die „Charakteristika für Ambulante Hospizdienste" auf. Im Herbst 1999 wird ein Finanzförderprogramm für zehn bewährte ambulante Hospizdienste in Berlin bereitgestellt. Dies ist eine wesentliche Grundlage für die Qualitätsentwicklung in allen Bereichen des V.I.S.I.T.E.-Projektes (Koordinierung sowie Vorbereitung und Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter/-innen im HVD).

2000

Der V.I.S.I.T.E. Besuchs- und Hospizdienst wird in die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Berlin (LAG) aufgenommen.

2001

Das Hospizprojekt V.I.S.I.T.E. gewinnt weiter an Einfluss und Bedeutung im HVD Berlin e. V. Es wird ein eigenständiger Bereich mit separatem Büro, Internetpräsentation und ständiger Rufbereitschaft. Das Engagement der Mitarbeiter/-innen wird mit dem Förderpreis der „Freiherr von Fuchs-Stiftung" ausgezeichnet. 

2002

Die Förderung ambulanter Hospizdienste wird in Deutschland gesetzlich mit der Auflage "Zusatzqualifikation 'Palliativ care' für Koordinator/-innen und der Durchführung von Palliativberatungen bei Patienten im häuslichen Bereich" geregelt.

2004

Der HVD Berlin e. V. wird aus der LAG Hospiz Berlin ausgeschlossen. Das Engagement des Trägers für gesetzliche Regelungen von Patientenverfügungen und humanes Sterben widerstrebe der Hospizbewegung, heißt es zur Begründung aus der LAG Hospiz. Mit Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes kann die weitere Teilnahme der leitenden Koordinatorin an der „Arbeitsgruppe Qualität der LAG Hospiz Berlin" erreicht werden. Der V.I.S.I.T.E. Besuchs- und Hospizdienst bekommt finanzielle Anerkennung von der „stiftung menschenwürdig sterben".

2005

V.I.S.I.T.E. erhält ein Logo. Studenten unterschiedlicher Studienbereiche entwickelten es im Rahmen eines Wettbewerbs „Brutto-Sozial-Preis 2005". Das Logo wurde als ansprechend und warmherzig von zahlreichen Menschen empfunden. Die Studentengruppe gewinnt mit den Logo den 3. Preis beim Wettbewerb.
V.I.S.I.T.E.-Mitarbeiter/-innen erproben in Beratungsgesprächen eine neue „Standard-Patientenverfügung". Grundlage für diese Entwicklung waren Ergebnisses einer interdisziplinären Arbeitsgruppe beim Bundesjustizministerium.

2006

Die finanzielle Basis ermöglicht die Einstellung einer zweiten hauptamtlichen Mitarbeiterin. Damit kann die wachsende Nachfrage nach Palliativberatungen bei schwerkranken Patienten zuhause zufriedenstellender bedient werden.

2007

Gesetzespräzisierung: Ambulante Hospizeinsätze in stationären Pflegeeinrichtungen können ab Mai 2007 auch in die finanzielle Förderung bei den Krankenkassen eingebracht werden.

2008

„Der Runde Tisch Hospiz- und Palliativversorgung in Berlin" berät die Kriterien für örtliche „Palliativ care Teams", die für die Koordinierung der speziellen Palliativversorgung bei Patienten Zuhause Voraussetzung sein werden.

2009

Im V.I.S.I.T.E.-Projekt arbeiten inzwischen zwei Koordinatorinnen und bereiten jährlich Ehrenamtliche auf ihren Einsatz im ambulanten Bereich oder im neu eröffneten stationären Hospiz LudwigPark [2] vom HVD in Berlin Buch vor. Die Projekte „Palliativnetz Berlin Brandenburg" und „V.I.S.I.T.E. Ambulantes Hospiz & Palliativberatung" vereinbarten am 19. Mai 2009 einen Kooperationsvertrag. Es ist die gemeinsame Absicht, die Versorgung von Palliativpatienten in Berlin wirkungsvoll zu koordinieren. Die Patientenverfügungen mit neuen Regelungen im Betreuungsrecht erhielten am 1. September 2009 gesetzliche Durchsetzungskraft. Für die Erlangung dieses Meilensteins der Selbstbestimmung haben sich hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter von V.I.S.I.T.E. jahrelang engagiert und eine spezielle Standard-Patientenverfügung entwickelt. Unsere aktuelle Auflage dieser Standard-Patientenverfügung wird von zahlreichen anderen Hospizinitiativen in Deutschland verwendet.


Quellen-URL: http://www.visite-hospiz.de/entstehungsgeschichte

Verweise:
[1] http://www.patientenverfuegung.de
[2] http://www.hospiz-ludwigpark.de