Zum Verständnis von Trauer

Empfindungen und Reaktionen von Hinterbliebenen und Trauernden können sehr individuell sein - sowohl in Bezug auf das Verhältnis zum Verstorbenen, als auch in Bezug auf ihre Art, Intensität und Dauer. Sätze wie "Nun ist es doch schon so lange her, hört das denn niemals auf?" sind daher keine Hilfe, sondern eher ein zusätzliches Erschwernis.

Manchmal sind Angehörige gegenseitig verstört und zusätzlich belastet von der jeweiligen Unterschiedlichkeit in der Trauerbewältigung innerhalb der Familie oder der Lebensgemeinschaft. Wird der eine z. B. von hektischer Aktivität getrieben und/oder möchte am liebsten verdrängen, kann der andere zunächst wie gelähmt und immerzu nur auf den Verstorbenen bezogen bleiben. Dazu kommt die erwiesene Tatsache, dass Frauen anders als Männer und Kinder verständlicherweise anders als Erwachsene auf den Verlust eines Angehörigen oder Freundes reagieren.

Es gibt bei allem Anderssein der Trauer auch Gemeinsamkeiten, z. B. Gefühle wie Orientierungs- und Sinnverlust, Depression, Gefühlschaos und Leere. Oftmals kommt es im Zuge schwerer Trauer zu einem Gefühl der inneren Verwirrung. Eine Angehörige berichtete uns nach einher Zeit von ihren verwirrten Gefühlen: "Da waren in mir völlig durcheinander und nebeneinander Gefühle von Zorn, Dankbarkeit, Liebe, Selbstmitleid, Verzweiflung, Befreiung, Schuld. Zu einer Entscheidung irgendwelcher Art war ich absolut unfähig, dabei zunehmend unter Druck von der Sorge, wie es praktisch weitergehen soll." Auch Wahnempfindungen wie "Ich höre ihn abends immer wie gewohnt die Treppe heraufkommen - bin ich verrückt?" kommen vor. Über diese Symptome versuchen sich Menschen oft "irgendwie hinweg zu helfen".

Für die längerfristige Unterstützung von Hinterbliebenen und bei schwerer Trauer werden im Rahmen von V.I.S.I.T.E. Trauerberatungsgespräche, weitere Hilfen und vor allem Trauergruppen unter fachlicher Anleitung angeboten. "Als ich in der Gruppe erlebte, dass anderen Frauen Ähnliches widerfahren war, empfand ich zunächst eine ziemliche Erleichterung", sagte eine Teilnehmerin der Trauergruppe.